"Sub City 2064" album was Editor’s Top Three CDs in Guitar Player magazine’s september issue of 2010.


Ragazzi Music Magazine January 2013
Erdem Helvacioglu & Bill Walker "Fields and Fences" (Far East West 2012)

Auf dem Cover ist in melancholischem Schwarz-Weiß eine Landschaft abgebildet, wie sie in der Türkei und ebenso in Kalifornien gefunden werden kann. Weite landwirtschaftliche Flächen, eben, karg. Uralte Zäune, Strommasten mit tief durchhängenden Kabeln, in der Ferne erhebt sich ein Gebirge, das kaum weniger grau und trist wirkt als die offene dürre Landschaft. Und doch, in diesem schwarz-weißen Grau mit schweren Wolken steckt Stille und Lyrik.

Kaum weniger in der Musik, die vom so unterschiedlich geprägten Duo zelebriert wird. Bill Walker spielt elektrische und akustische Gitarren, elektrische Bariton- und Soprangitarren, akustische und elektrische Lap Steel Gitarren und Electronics, Erdem Helvacioglu die elektrische Gitarre, TogaMan Gitarrenvioline, akustische Gitarre und ebenso Electronics. Für die Kompositionen sind beide Namen angegeben. Die in Santa Cruz, Kalifornien und Istanbul, Türkei eingespielten und aufgenommenen Tracks sind in Duo-Improvisationen entstanden. Schnitt und Mix der Aufnahmen übernahm Erdem Helvacioglu, der in den letzten Jahren etliche Alben zwischen Avantgarde, Ambient, Electronic, Soundscapes und Free Improvisation veröffentlichte und stets andere, neuartige Facetten fand.

Das Gitarrenduo spielt hier und da erstaunlich melodisch und ‚normal'. Da entwerfen sich elektronisch ambiente Soundlandschaften verträumten Charakters mit cineastischen Qualitäten. Der Amerikaner bringt melancholisch dunkle Country-Note mit, während der Europäer fließend gleitende Electronic darüber spült und abstrakt verspielte Gitarren- und Elektroniksounds entwirft, die der sanftmütigen Harmonie Kratzer und verspielten Fluss geben.
Die Atmosphäre ist sanft und schöngeistig. Wenn Erdem Helvacioglu auf anderen Alben durchaus avantgardistische Disharmonien und ‚schrägen' Sound generieren kann - hier nicht.
In der großen Klangschönheit steckt viel Arbeit. 8 Stücke, auf 4 bis 11 Minuten begrenzt, voll gut nachvollziehbarer melodischer Themen, die fast schon Songcharakter haben, machen "Fields and Fences" aus. Beide Gitarristen gehen verspielt vor, geben ihren Themen Raum für minimalistische bis lautmalerische Entfaltung. Beide so unterschiedliche Prägungen und Stile gehen perfekt aneinander auf. Die Gitarren stehen im Mittelpunkt, und so unterschiedliche Gitarren gespielt werden, so reich ist der harmonische Rahmen. Vielartige und ungewöhnliche elektronische Klangspielereien und an Computerspiele erinnernde Klanggruppen flirren, wirbeln und flattern vorbei. Zahllos. Die Ideenvielfalt ist enorm, was kaum offenbar ist. Zu lyrisch und gut verzahnt sind die Tracks, zu dominant der epische Fluss. Und in aller Sanftmut sind die Gitarrensounds doch scharfkantig und eisklar, vor allem die amerikanischen. Die europäischen hingegen umspielen variantenreich den eher erdverbundenen Steel-Gitarristen.

Zuletzt: "Fields and Fences" ist kein Warenhaus-Album, keine Hintergrundberieselung, kein Kitsch, kein esoterischer Schwulst. Sondern krasse, kernige, lyrische Kunst.

erdemhelvacioglu.com
billwalkermusic.com
Ragazzi Music Magazine January 2013
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Fields and Fences